Prof. H.-J. Engelbert

Prof. Dr. H.-J. Engelbert verstorben

Am 23. Mai 2021 ist ein langjähriger Professor der Fakultät für Mathematik und Informatik verstorben.
Prof. H.-J. Engelbert
Foto: privat

Meldung vom: 02. Juni 2021, 09:51 Uhr

Nachruf für Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jürgen Engelbert ​

Hans-Jürgen Engelbert wurde am 28. November in 1944 in Breitenhain, Schlesien (im heutigen Polen) geboren. Nach seinem Abitur in Schleusingen studierte er Mathematik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und erwarb sein Diplom 1968. Es folgte eine Aspirantur an der Lomonossov-Universität Moskau unter der Betreuung von Prof. A. N. Shiryaev, wo er 1972 mit einer Arbeit „Steuerung zufälliger Prozesse (optimales Stoppen, steuerbare Markovsche Prozesse)“ promovierte. Seitdem war Hans-Jürgen Engelbert an der Sektion Mathematik der FSU tätig, zunächst als Wissenschaftlicher Assistent (1972-1973), dann als Oberassistent (1973-1977). Nach seiner Habilitation über „Markovsche Prozesse in allgemeinen Zustandsräumen“ (1976) wurde er 1977 zum Hochschuldozent und später zum Professor für Wahrscheinlichkeitstheorie und Mathematische Statistik berufen.

Sein Forschungsinteresse umfasste zahlreiche Gebiete der Stochastik, insbesondere die Theorie Markovscher Prozesse, optimales Stoppen und Steuern zufälliger Prozesse, Martingaltheorie, stochastische Differentialgleichungen und Funktionale zufälliger Prozesse.

Aus seinen Forschungsarbeiten sind zwei Monographien, zahlreiche Bücher als Herausgeber und mehr als 80 Publikationen in international hoch anerkannten Zeitschriften entstanden, die maßgeblich zur internationalen Ausstrahlung der Stochastik in Jena beigetragen haben. Seine Beiträge zur Existenz und Eindeutigkeit schwacher Lösungen stochastischer Differentialgleichungen, zur allgemeinen Theorie Markovscher Prozesse und zur Martingaltheorie werden zahlreich zitiert und haben Eingang in die Lehrbuchliteratur gefunden. Zu seiner internationalen Ausstrahlung trug auch seine langjährige Tätigkeit als Mitherausgeber der Zeitschrift Stochastics bei.

Hans-Jürgen Engelbert setzte sich maßgeblich für den Aufbau und das Gelingen von zwei europäischen Forschungsnetzwerken zu den Themen „Evolution Equations for Deterministic and Stochastic Systems“ (2002-2006) und „Deterministic and Stochastic Controlled Systems and Applications“ (2008-2012) ein, die Teams von Universitäten verschiedener Länder vereinten. Er organisierte zahlreiche internationale Konferenzen, Workshops und Winterschulen. Im Jahr 2018 wurde ihm von der Université de Bretagne Occidentale in Brest die Ehrendoktorwürde, insbesondere für seinen Einsatz für die Forschungszusammenarbeit, verliehen.

Nach seiner Emeritierung 2009 hat Hans-Jürgen Engelbert mit der ihm eigenen Leidenschaft und Hingabe, die seine gesamte Karriere charakterisierten, seine Forschungstätigkeit mit Arbeiten zur Darstellbarkeitseigenschaft von Martingalen, der Erweiterung von Filtrationen, zu Levy Prozessen und stochastischen Vorwärts-/Rückwärts-Differentialgleichungen weitergeführt.

Prof. Hans-Jürgen Engelbert ist am 23. Mai 2021 verstorben.

Seine Begeisterung für die Mathematik, sein Streben nach Klarheit und sein bescheidenes Auftreten haben ihm viel Wertschätzung bei Kollegen und Studenten eingebracht.

Als seine Schüler verdanken ihm sehr viel, insbesondere Liebe, Leidenschaft, Ausdauer und Streben nach Präzision in der mathematischen Forschung. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Rainer Buckdahn, Paolo Di Tella, Wolfgang Schmidt

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